Übergewicht und Bewegungsmangel

GOTS fordert Aufnahme von sportlichen Leistungsanforderungen in die Schulpläne

Ärztin misst Bauchumfang eines übergewichtigen Jungen
© Africa Studio / stock.adobe.com

Die Gesundheitsversorgung in Deutschland steht an einem Wendepunkt: Die Kosten steigen, die Bevölkerung wird kränker – und vielerorts wird vor allem gespart. Doch statt Erkrankungen zu verwalten, braucht es endlich eine echte Kultur der Prävention. Sport und Bewegung spielen dabei eine zentrale Rolle. Die Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS), eine Sektion der DGOU, zeigt, welche Maßnahmen notwendig sind, um Deutschland langfristig fitter, gesünder und widerstandsfähiger zu machen und warum Prävention jetzt zur Priorität werden muss.

Zahlen und Fakten sprechen für sich: Die Gesundheitsausgaben in Deutschland betragen inzwischen über 500 Milliarden Euro pro Jahr (>12 Prozent BIP). Die Kosten durch Tabakkonsum 97 Milliarden Euro, für Adipositas 63 Milliarden Euro. 80 Prozent der Krankheiten sind Zivilisationserkrankungen. Bewegungsmangel und körperliche Inaktivität sind vierthäufigster Risikofaktor für globale Mortalität.  

Übergewicht und Bewegungsmangel

Im Public Health Index 2025 (vergleicht Umsetzungsgrad wissenschaftlich empfohlener Präventionsprogramme) belegt Deutschland Rang 17 von 18 Ländern Nord- und Zentral-Europas. Nur 26 bis 29 Prozent der Erwachsenen erfüllen die WHO-Empfehlungen von 150 Minuten moderater Aktivität pro Woche. Beim UNICEF „Kinderwohl-Index“  belegt Deutschland Platz 25 von 43 OECD- und EU-Ländern.  

Der Anteil übergewichtiger Kinder und Jugendlicher zwischen 11 und 17 Jahren liegt bei rund 38 Prozent, wovon rund 20 Prozent sogar adipös sind. Bei Erwachsenen leiden 50 Prozent an Übergewicht, 19 Prozent sind adipös. „Dies ist ein zentraler Risikofaktor für chronische Erkrankungen (Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bösartige Tumore) und schwererer Infektionsverläufe“, sagt Prof. Dr. Martin Engelhardt, Vorstandsmitglied der GOTS und Chefarzt für Orthopädie und Unfallchirurgie am Klinikum Osnabrück.

Und weiter: „Deutschland wird zukünftig die Kosten für das Gesundheitssystem in Höhe von 500 Milliarden Euro nicht mehr ausgeben können. Die Profiteure des bisherigen Systems werden weiter versuchen an kranken Menschen zu verdienen. Die sogenannte „Krankenhausstrukturreform“  wird bei gleichbleibender Ausrichtung des Systems als Sozialabbau für den Bürger zu Leistungseinbußen führen.“ 

Vision „Deutschland wieder fit machen“ 

 Die GOTS plädiert daher für eine Änderung der Ausrichtung von einer rein kurativen zu einer präventiven Medizin. Sinnvolle Maßnahmen dafür sind:  

  1. Schaffung von Gesundheitskompetenz in der Schule durch Einführung des Faches „Gesundheit“  (Gesundheits-Aufklärung, gesunde Ernährung, Motivation zum lebenslangen Sporttreiben).
  2. Schaffung einer Umgebung, die das Gehen, Radfahren und aktives Unterwegssein im Alltag einfach und selbstverständlich macht.
  3. Steuern auf Nikotin und Alkohol erhöhen und bei Zucker einführen. Umfassende Werbebeschränkungen bei Alkohol, Tabak und zuckerhaltigen Getränken
  4. Politische Maßnahmen, für eine Chancengleichheit alle Kinder.
  5. 60 Minuten qualifizierter Sportunterricht pro Tag, verbindlich durch gesetzliche Festlegung. 

Die GOTS fordert eine Aufnahme von sportlichen Leistungsanforderungen in die Schulpläne, die Vorhaltung und Weiterentwicklung von Sportstätten und ungehinderten Zugang zu diesen, eine kompetente Ausbildung und adäquate Bezahlung von Sportlehrern und Trainern. Weiterhin braucht es eine Akzeptanz des Leistungssports und Unterstützung für Sportler(innen) außerhalb der Eliteschulen des Sports und an den Universitäten. 

Damit dies erreicht werden kann, ist ein politischer Wille parteiübergreifend erforderlich. 

Quelle: Pressemitteilung der GOTS


Terminhinweis:


GOTS-Kongress „Move“ vom 11.-13.Juni 2026 in Osnabrück

 

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