Projekt Value-based TKR

Neue digitale Entscheidungshilfe für die Indikation zur Knieendoprothese

Künstliches Modell einer Knieendoprothese
© Jayk / stock.adobe.com

Mit dem Projekt Value-based TKR (Value-based Total-Knee-Replacement) wurde erstmals im deutschsprachigen Raum eine digitalisierte und individualisierte Entscheidungshilfe (EKIT-Tool) für die leitliniengerechte Indikationsstellung zur Knieendoprothese entwickelt. Das EKIT-Tool bindet Patientinnen und Patienten aktiver in den Behandlungsprozess ein, erfasst patientenbezogene Therapieziele und ermöglicht Ärztinnen und Ärzten eine strukturierte Einschätzung der Realisierbarkeit. Das Projekt wurde über einen Zeitraum von vier Jahren mit 1,3 Millionen Euro durch den Innovationsausschuss beim Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) gefördert und in Kooperation zwischen der Technischen Universität Dresden, dem Endoprothesenregister Deutschland (EPRD) und der DGOU umgesetzt. Nach Veröffentlichung des Ergebnisberichts erhält der Unterausschuss Qualitätssicherung des G-BA die Ergebnisse zusätzlich für das QS-Verfahren Knieendoprothesenversorgung (QS KEP) und das Zweitmeinungsverfahren.

Die Kniegelenksarthrose (Gonarthrose) gehört zu den häufigsten arthrotischen Erkrankungen und führt bei vielen Betroffenen zu erheblichen Einschränkungen in Lebensqualität und Alltagsaktivitäten. Im fortgeschrittenen Stadium der Gonarthrose und bei unzureichender Linderung der Symptome durch konservative Maßnahmen stellt die Knieendoprothese eine erfolgreiche und (kosten-)effektive Therapieoption dar. Allerdings profitieren nicht alle Patientinnen und Patienten gleichermaßen von einer Knieendoprothese, häufig aufgrund einer unpräzisen Indikationsstellung, unrealistischer Erwartungen oder unzureichender Patientenaufklärung.

Digitalisierte Entscheidungshilfe für die Knie‑TEP

Im Projekt Value-based TKR wurde daher eine digitale, individualisierte Entscheidungshilfe entwickelt: das EKIT-Tool. Es unterstützt die leitlinienbasierte Indikationsstellung und stärkt die Einbindung von Patientenpräferenzen und persönlichen Therapiezielen. 

Multizentrische Studie mit über 1.000 Teilnehmenden

Die Wirksamkeit des EKIT-Tools wurde in einer multizentrischen, clusterrandomisierten kontrollierten Studie im Stepped-Wedge-Design wissenschaftlich untersucht. Zehn Studienzentren in Deutschland beteiligten sich daran, insgesamt wurden Daten von 1.055 Patientinnen und Patienten analysiert.  

In Phase I erfasste das EKIT-Tool unmittelbar vor dem Indikationsgespräch sowohl patientenberichtete als auch ärztlich erhobene Gesundheitsdaten.  In Phase II, dem Indikationsgespräch selbst, visualisierte das EKIT-Tool diese Informationen und prüfte, ob die leitlinienbasierten Indikationskriterien erfüllt sind. Dadurch wurde eine strukturierte und dokumentierte Diskussion über die Erreichbarkeit der Behandlungsziele zwischen Patient oder Patientin und Arzt oder Ärztin ermöglicht. Im abschließenden Schritt dokumentiert das Tool die ärztliche Therapieempfehlung sowie die final, gemeinsam getroffene Entscheidung für oder gegen eine Knieendoprothese.

Deutlich bessere Entscheidungsqualität

Als primärer Endpunkt wurde die Entscheidungsqualität der Patientinnen und Patienten direkt nach dem Indikationsgespräch bestimmt (gemessen mit dem ‚Hip and Knee Decision Quality Instrument‘, HK-DQI). Sekundäre Endpunkte umfassten die Zufriedenheit mit dem Indikationsgespräch sowie Prädiktoren für die Indikationsstellung. Zwölf Monate später erfolgte eine postalische Nachbefragung zur Zufriedenheit mit der gewählten Therapie und mit der getroffenen Entscheidung. Die Ergebnisse zeigen einen statistisch signifikanten Vorteil für das EKIT-Tool:  Die Entscheidungsqualität lag in der Interventionsgruppe bei 86,0 Prozent, in der Kontrollgruppe bei 67,4 Prozent. Damit wurde eine 24 Prozent bessere Entscheidungsqualität erreicht (RR 1,24; 95% KI: 1,15-1,33).

Ein Schritt hin zu Value‑based Healthcare

Das Projekt Value-based TKR zeigt, dass das entwickelte EKIT-Tool sowohl die Leitlinienadhärenz verbessert als auch die Voraussetzungen für eine informierte, patientenorientierte Entscheidung verbessert. Zusammen mit der qualitätsgeleiteten Indikationsstellung bildet die Berücksichtigung der individuellen Behandlungsziele einen zentralen Baustein des Konzepts der werteorientierten Gesundheitsversorgung (sog. Value-based Healthcare).

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