Strukturierte Datengrundlage für die Katastrophenmedizin
Ziel des Registers ist es, Erkenntnisse aus realen Einsatzlagen zu gewinnen und die medizinisch-organisatorische Bewältigung künftiger MANV-Ereignisse kontinuierlich zu verbessern. Im Mittelpunkt stehen dabei ausschließlich medizinisch-organisatorische Einsatzdaten, keine personenbezogenen Patientendaten. Auf Basis von zunächst 498 identifizierten Datenelementen wurde in einem mehrstufigen, vollständig ehrenamtlich getragenen Konsensverfahren mit 115 Expertinnen und Experten aus 34 Organisationen und Verbänden ein Kerndatensatz mit 97 Items definiert. Über eine einheitliche MANV-ID ist perspektivisch eine Verknüpfung mit etablierten Registern wie dem TraumaRegister DGU®, dem Deutschen Reanimationsregister oder AKTIN vorgesehen.
Versorgung Verletzter als Kernauftrag der Unfallchirurgie
„Die Versorgung von Verletzten gehört zu den ursprünglichen Aufgaben der Unfallchirurgie – das gilt im Einzelfall ebenso wie bei einem Massenanfall von Verletzten. Deshalb war es für uns selbstverständlich, unsere Expertise von Beginn an in den Aufbau des MANV-Registers einzubringen“, sagt PD Dr. Uwe Schweigkofler, stellvertretender Leiter der Sektion NIS.
Die DGU verfügt mit dem TraumaRegister DGU® über langjährige Erfahrung im Aufbau und Betrieb wissenschaftlicher Register und konnte diese Expertise gezielt in die Entwicklung des MANV-Registers einbringen. Darüber hinaus engagieren sich zahlreiche Sektionen und Arbeitskreise der unfallchirurgischen Fachgesellschaft – allen voran die Sektion EKTC – seit Langem in der Krisen- und Katastrophenbewältigung. Register und ihre wissenschaftliche Auswertung bilden zudem regelmäßig die Grundlage für Empfehlungen in Leitlinien, wie etwa die S3-Leitlinie Polytrauma/Schwerverletzten-Behandlung eindrucksvoll zeigt.
Die Sektion NIS vertrat die DGU dabei kontinuierlich in den Abstimmungsprozessen zum Kerndatensatz und brachte unfallchirurgisch-traumatologische Perspektiven in die Definition der 97 Kernvariablen ein – von Sichtungsprozessen über Einsatzmittel bis zu zeitlichen Versorgungsabläufen. Diese enge fachliche Einbindung soll auch künftig fortgeführt werden, etwa bei der geplanten Erweiterung des Registers um Module zu CBRN-Lagen oder weiteren lebensbedrohlichen Einsatzsituationen.
Ausblick: Vernetzung mit etablierten Registern
Langfristig soll das MANV-Register über die einheitliche MANV-ID mit bestehenden Versorgungsregistern wie dem TraumaRegister DGU® verknüpft werden, um wissenschaftliche Auswertungen zu erleichtern und die Versorgungsforschung weiter zu stärken. Die DGU und ihre Sektion NIS werden den weiteren Ausbau des Registers – auch im Hinblick auf Übungen, Flächenlagen und technische Schnittstellen zu Leitstellensoftware – fachlich eng begleiten.
