Möglich macht das eine wissenschaftliche Analyse aus dem TraumaRegister DGU®. Die Studie zeigt in einem Zeitraum von zehn Jahren von 2013 bis 2023 eine Zunahme von Schwerverletzten* bei gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Stichwaffen. Allein von 2019 bis 2023 gab es einen Anstieg von 47 Prozent: von 258 Angriffen in 2019 auf 379 in 2023. Für den Zehnjahreszeitraum ist das Plus noch größer. Die Autoren betonen, dass im TraumaRegister nur die wirklich schweren Fälle dokumentiert werden. Aufgenommen werden ausschließlich Patientinnen und Patienten, die in Lebensgefahr schweben oder auf einer Intensivstation behandelt werden müssen. In der Fachsprache bedeutet das: Sie haben mindestens eine Verletzung mit einem AIS-Wert gleich oder über 3, also eine schwere bis lebensbedrohliche Verletzung. Leichte oder nur geringfügige Verletzungen werden nicht erfasst.
PD Dr. Dan Bieler, Co-Autor und Leiter der DGU-Sektion Notfall-, Intensivmedizin und Schwerverletztenversorgung (NIS):
„Die in unserer Studie vorliegenden Zahlen zeigen den Anteil Schwerverletzter nach einer Stichverletzung im Kontext einer mutmaßlichen Gewalttat in Deutschland. Insgesamt machen diese Verletzungen einen sehr geringen Anteil der Schwerverletztenversorgung aus, dennoch zeigen die Zahlen dieser Arbeit in den letzten Jahren einen Anstieg der Fallzahl vor allem in Regionen mit hoher Bevölkerungsdichte.“
Ergebnisse in Kürze:
Die betroffenen Patientinnen und Patienten unterscheiden sich demografisch deutlich vom Durchschnitt aller Schwerverletzten: Sie sind im Mittel mit 31,1 Jahren jünger und in 85,5 Prozent überwiegend männlich. Die Verletzungen betreffen besonders oft den Körperstamm wie Brust und Bauchraum und erfordern in 72 Prozent dringliche operative Maßnahmen, was auf die häufige Verletzung lebenswichtiger Körperteile unter Umständen mit relevanten Blutungen hinweist. Die hohe Rate von Notfall-Eingriffen unterstreicht zudem die besonderen Anforderungen an die beteiligten, interdisziplinären Traumateams. Trotz dieser interdisziplinären und professionellen Versorgung versterben 8,1 Prozent nach gewaltsamer Stichverletzung im Krankenhaus. Zudem werden regionale Unterschiede erkennbar, sowohl hinsichtlich der geografischen Lage als auch der Besiedlungsstruktur. Die Daten stammen aus 627 deutschen Kliniken, die sich am TraumaRegister DGU® beteiligen.
1) Studie im Review-Verfahren: Zunahme Schwerverletzter nach gewalttätigen Auseinandersetzungen mit Stichwaffen – eine 10-Jahresanalyse aus dem TraumaRegister DGU® der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (TR-DGU®)
* Ausgewertet wurden alle Patientinnen und Patienten mit einer Mindestverletzungsschwere gemäß der Abbreviated Injury Scale (AIS) ≥ 3, sowie Patientinnen und Patienten mit einer Mindestverletzungsschwere gemäß AIS = 2, die entweder verstorben sind oder auf einer Intensivstation behandelt wurden.
