AG Evidenzbasierte Medizin

Zielsetzung

Kaum ein Begriff wird heute in wissenschaftlichen aber auch der gesundheitspolitischen Diskussion so überstrapaziert wie der Terminus der „Evidenz“. Aber welche Forschungsergebnisse sind tatsächlich dazu geeignet, unsere persönlichen Therapieentscheidungen im Alltag zu verändern?

Die Arbeitsgemeinschaft Evidenzbasierte Medizin (EbM) in Orthopädie und Unfallchirurgie analysiert mit den Methoden der EbM die Zuverlässigkeit von medizinischen Aussagen, die Eingang in die gute medizinische Praxis finden sollen und bringt sich dabei vielfältig in die wissenschaftliche Diskussion innerhalb der DGOU ein.

Die AG EbM fertigt im Auftrag und zur Unterstützung des Vorstands Analysen und Kommentierungen mit einem besonderen Bezug zu evidenzbasierten, orthopädisch-unfallchirurgischen Fragestellung aus. So arbeitet die AG beispielsweise bei der Bewertung von wissenschaftlichen Daten im Austausch mit dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und dem Deutschen Netzwerk für Versorgungsforschung (DNVF) mit.

Leitung

© T. Renkawitz

Leiter

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailProf. Dr. Tobias Renkawitz

Orthopädische Universitätsklinik Regensburg
im Asklepios Klinikum Bad Abbach

Kursformat: Evidenzbasierte Medizin

Die AG Evidenzbasierte Medizin (EbM) hat eine eigenes Kursformat "Evidenzbasierte Medizin in Orthopädie und Unfallchirurgie" etabliert. Teilnehmende erlernen dort unter welchen speziellen evidenzbasierten Gesichtspunkten wissenschaftliche Ergebnisse in Orthopädie und Unfallchirurgie bewertet werden können und welche systematische Verzerrungen Studienergebnisse in der Orthopädie und Unfallchirurgie typischerweise beeinträchtigen.

Der zweitägige Kurs vermittelt dazu einen Werkzeugkoffer, mit dem es gelingt, die Qualität von wissenschaftlichen Studien und die Zuverlässigkeit von medizinischen Aussagen zu beschreiben, zu berechnen und zu bewerten. Im Zentrum steht dabei immer die Frage nach dem tatsächlichen Nutzen für den Patienten. Techniken für eine schnelle, systematische Literaturrecherche nach relevanter Evidenz für ein konkretes klinisches Problem werden ebenso erlernt.

Erfahrene EbM-Instruktoren der DGOU üben mit den Teilnehmenden in Kleingruppen, wie man bereits anhand der wichtigsten Daten aus dem Abstract einer Studie die Validität der Evidenz nach klinisch epidemiologischen Gesichtspunkten bewerten und mit den wichtigsten Masszahlen der EbM berechnen kann. Der Kurs bietet neben einem fundierten Basiswissen „evidenzbasierte Medizin“ zudem auch die notwendige Basisqualifikation, um zukünftig als EbM-Kommentator der DGOU auf dem DKOU aufzutreten.


Nächster Kurs:

26.-27.09.2019 in Berlin

Flyer

EbM-Kommentierungen und EbM-Preis

Die Lenkungsgruppe der AG wählt jährlich aus den für den Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) im Review-Verfahren angenommene Arbeiten die Abstracts mit besonders hoher klinischer Relevanz aus und schlägt sie den Kongresspräsidenten zur Kommentierung vor. 

Die für einen EbM-Kommentar ausgewählten Autoren werden dann gebeten, ihre Präsentationen der EbM-Kommentatorengruppe bereits einige Wochen vor dem Kongress zu übersenden. Die Bewertung wird dabei einige Wochen vor dem DKOU innerhalb der EbM-Kommentatoren in einem gemeinsamen Treffen abgestimmt. Dort trägt jeder Kommentator der Gruppe seinen Kommentar mit einem Vorschlag zur Bewertung vor – die endgültige Festlegung erfolgt aber immer gemeinsam.

In diesem Rahmen wird ebenso eine Vorauswahl für den EbM-Preis getroffen. Die für den EbM-Preis nominierte Autoren werden schriftlich vor dem DKOU informiert – die letzte Entscheidung über den Preisträger fällt dann auf dem DKOU. Die Kommentierung der ausgewählten wissenschaftlichen Arbeiten unter evidenzbasierter Betrachtung erfolgt durch die speziell geschulte EbM-Kommentatoren in den Sitzungen auf dem DKOU unmittelbar nach dem Vortrag des Erstautors mit nachfolgender kurzer, gemeinsamer Diskussion. Die wissenschaftliche Diskussionskultur in der gemeinsamen Aussprache ist dabei ein wesentliches Bewertungskriterium.

Das Format der evidenzbasierter Kommentare hat sich nun schon seit über einer Dekade auf dem Hauptstadtkongress bewährt und bietet Vortragenden, Vorsitzenden und Zuhörern eine einzigartige, patientenzentrierte Diskussionskultur. Die Bewertung der ausgewählten Studien nach EbM folgt dabei immer einer einheitlichen Struktur und Bewertungsklassifikation und ist grundsätzlich sachlich und kollegial. Der EbM-Kommentar ist zeitlich limitiert und erfordert daher vom Kommentator Disziplin und ein präzises Timing.

Wissenschaftsmentoring

Interessierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bietet die AG die Möglichkeit für eine unabhängige Beratung bei der Planung von patientenzentrierten Studien aus O&U. Viele der Verzerrungen und Interpretationsprobleme bei der Auswertung von wissenschaftlichen Daten lassen sich häufig durch ein strukturiertes Konzept in der Vorbereitung einer wissenschaftlichen Arbeit vermeiden. Eine Erstberatung ist für Mitglieder der DGOU kostenfrei.

Projekte

Die aktuelle, kritische mediale Kommentierung des Nutzens von operativen und konservativen Verfahren in O&U hebt die besondere Bedeutung der Arbeit der AG hervor. Dazu wird es auch weiterhin notwendig sein, den Patientennutzen von Therapieverfahren aus dem Alltag der deutschen Orthopädie und Unfallchirurgie sachlich zu analysieren und darzulegen.

Publikationen

Die Mitglieder der AG sind kontinuierlich an einer Vielzahl von Publikationen beteiligt. Beispielhaft sind die von PD Dr. T. Liebs publizierte Analyse zu Ausschluss der Arthroskopie aus dem Leistungskatalog der GKV und die von PD Dr. C. Baier und Prof. Dr. T. Renkawitz veröffentlichte  Originalarbeit zu den evidenzbasierten 10 Jahres Ergebnissen der Knienavigation.

T. Liebs, S. Berger. Ausschluss der Arthroskopie bei Gonarthrose aus dem GKV-Leistungskatalog: Beruht diese Entscheidung auf wissenschaftlichen Kriterien? Z Orthop Unfall. 2017 Jul 4.

Baier C, Wolfsteiner J, Renkawitz T. et al. Clinical, radiological and survivorship results after ten years comparing navigated and conventional total knee arthroplasty: a matched-pair analysis. Int Orthop. 2017 Oct;41(10):2037-2044