Von der Vision zur Wirklichkeit einer gemeinsamen Fachgesellschaft

Am 8. Juli 2008 war es in Berlin soweit: Die DGOU wurde aus der Taufe gehoben. Sie sollte von nun an als Dachgesellschaft die gemeinsamen Interessen ihrer beiden Trägervereine DGOOC und DGU in Forschung und Lehre, in Fort- und Weiterbildung sowie in Klinik und Praxis vertreten. Ziel war es, damit den berufs- und gesundheitspolitischen Rahmen im Sinne aller in O und U tätigen Mediziner und Wissenschaftler zu gestalten. Heute, 10 Jahre später, wirkt die DGOU mit dem Gewicht der Stimme ihrer 10.800 Mitglieder auf die Versorgungsstrukturen in Deutschland ein. Doch die gemeinsame Geschichte von Orthopäden und Unfallchirurgen beginnt nicht erst 2008. Schon lange zuvor haben verschiedene Kommissionen von DGOOC und DGU zusammen an den Möglichkeiten gearbeitet, die beiden Fachgesellschaften strukturell zusammenzuführen und eine übergreifende Interessensvertretung zu institutionalisieren.

Warum es nicht allein aus politischer Sicht wichtig war, eine gemeinsame Fachgesellschaft für O und U zu gründen und wie eine Vision in die Tat umgesetzt werden konnte, berichten Prof. Dr. Fritz Uwe Niethard und Prof. Dr. Hartmut Siebert. Sie gehören zu den Gründungsvätern der DGOU und waren als erste Generalsekretäre der neuen Fachgesellschaft im Amt.

© F. U. Niethard / M. Hauk / DGOU

Welche gemeinsame Idee steckte hinter der Gründung der DGOU? Warum war dieser Schritt wichtig?

Fritz Uwe Niethard: Die Gründung der DGOU war die logische Folge eines langen Entwicklungsprozesses. Orthopädie und Unfallchirurgie hatten sich bereits seit den Sechzigerjahren in Aufgaben und Tätigkeitsbereichen angenähert und vielfach überschnitten. Viele operative Eingriffe wurden sowohl in orthopädischen als auch in unfallchirurgischen Kliniken gleichermaßen durchgeführt. Das führte zu Spannungen und auch zu berufspolitischen Kontroversen, die für die Durchsetzung von gesundheitspolitischen Zielen zunehmend als schädigend und kontraproduktiv wahrgenommen wurden. Durch die zunehmende Spezialisierung wie zum Beispiel bei der Versorgung von Sportverletzungen, wurden die Berührungspunkte zwischen O und U häufiger, die Kontakte intensiver und der Wille, die bisherigen Schranken zu überwinden, stärker.

Wie lange brauchte es dann, bis aus einem losen Interessenbund von DGOOC und DGU schließlich die DGOU als Vereinsverbund entstanden ist?

Hartmut Siebert: Begonnen hatte es 1998 mit den Marburger Gesprächen einiger weniger Vertreter der Muttergesellschaften. 1999 folgte die Zukunftskommission, die den Weg zur gemeinsamen Weiterbildung ab 2003 bereitet hat. Der nächste Schritt war die Union von DGOOC und DGU, abgekürzt UOU, mit einer paritätisch besetzten Kooperationsplattform. Aus dieser heraus gab es in der Potsdamer Konferenz im Februar 2007 den Vorschlag, eine Fachgesellschaft, die DGOU, zu gründen. Das wurde dann schließlich ein Jahr später auch umgesetzt.

Unter welchen Bedingungen ist diese strukturelle Fusion von O und U unter einem Dach schließlich gelungen?

Niethard: Vertrauensbildende Maßnahmen waren das Fundament für den Aufbau des Hauses DGOU. Gespräche auf Augenhöhe unter Beteiligung aller waren entscheidend für den Durchbruch. Orthopädie und Unfallchirurgie leben von ihrem fachlichen Kern und ihren zahlreichen Spezialisierungen in Sektionen, Arbeitsgemeinschaften und anderen Gruppierungen. Es musste gelingen, diese alle mit ins Boot zu nehmen.

© H. Siebert / M. Hauk / DGOU

In den letzten 10 Jahren hat sich einiges getan. Sind Sie zufrieden mit dem, was die DGOU erreicht hat? Womit besonders?

Siebert: Die DGOU feiert ihr zehnjähriges Jubiläum und ist in dieser Zeit gereift. Wenngleich es nach wie vor ein spezifisch orthopädisches bzw. unfallchirurgisches Denken gibt und geben muss, ist das Bewusstsein für Gemeinsamkeiten gewachsen und erstarkt. Die gemeinsame Weiterbildung gibt es nun schon seit 15 Jahren – und die inzwischen herangewachsene Generation der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie steht hinter dem gemeinsamen Fach. Das zeigt, dass der beschrittene Weg definitiv richtig war.

Das Interview führte Maria Hauk.

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