April 2017

Christin Forster: Regt zum Nachdenken an

© Christin Forster

Christin Forster war 17, als sie nach einem unverschuldeten Verkehrsunfall schwerverletzt in der Notaufnahme versorgt werden musste. Danach hatte sich vieles für die junge Frau verändert: Sie musste ihren Alltag im Rollstuhl komplett neu gestalten. Heute erzählt die 20-Jährige anderen Jugendlichen beim Präventionsprogramm der Unfallchirurgen P.A.R.T.Y. davon, wie der Unfall ihr Leben geprägt hat.

Christin Forster zögerte nicht lange, als sie gefragt wurde, ob sie das Präventionsprogramm unterstützen und Schülern über ihre Erfahrungen berichten wollte. P.A.R.T.Y. steht für „Prevent Alcohol and Risk Related Trauma in Youth“. Das Programm stammt aus Kanada und klärt über Verletzungen auf, die durch risikoreiches Verhalten verursacht werden. Christin Forster ist wichtig, dass die Kampagne noch mehr Öffentlichkeit bekommt, damit Jugendliche für ein verantwortungsbewusstes Handeln sensibilisiert werden.

Vom Rettungswagen auf die Intensivstation
Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) veranstaltet jedes Jahr bundesweite P.A.R.T.Y.-Wochen. An den Aktionstagen besuchen Schüler eine Unfallklinik in ihrer Region und erleben, wie Schwerverletzte nach einem Verkehrsunfall versorgt werden. Sie erfahren, welche Stationen Unfallopfer durchlaufen: vom Rettungswagen oder dem Helikopter in den Schockraum, von der Intensivstation über die Normalstation und die physiotherapeutische Betreuung.

Ein Unfall ändert vieles
Dabei lernen die Schüler auch ehemalige schwerverletzte junge Patienten wie Christin Forster kennen, die in einem Münchner Klinikum über den Unfall, die Ursachen und die Zeit danach berichtet. Wenn die sympathische, Optimismus ausstrahlende, junge Frau erzählt, wie sehr ein kurzer Moment ihr Leben verändert hat, beeindruckt das die Schüler. Die Fragen der Jugendlichen beantwortet Christin Forster offen und ehrlich: Sie berichtet über die Ängste und Sorgen, die sie und ihre Familie in der Zeit hatten, und wie sie damit umging, plötzlich auf die Unterstützung anderer angewiesen zu sein. 

Für verantwortungsbewusstes Handeln sensibilisieren
Durch die eigenen Erfahrungen und die Arbeit im Programm hat Christin Forster mittlerweile ein feines Gespür dafür, wenn sich Freunde und  Bekannte in riskante Situationen begeben, beispielsweise nach der Party mit dem Auto unter Alkoholeinfluss nach Hause fahren wollen. Dann sucht sie das Gespräch und sensibilisiert für die Risiken und Gefahren: „Ich versuche schon, meinen Freunden zu vermitteln, in welchem Zustand sie sich gerade befinden. Ich möchte, dass sie von selbst merken, dass ihr Verhalten Schmarrn ist und sie sich und andere nicht in Gefahr bringen sollten.“ Dabei kann sie dann auch schon einmal rigoros werden und sammelt den Autoschlüssel oder das Handy ein, erzählt sie. 

Mit Orthesen und Prothesen maßgeschneidert helfen
Der Unfall hat sich auch auf ihren Berufswunsch ausgewirkt. „Ursprünglich wollte ich Krankenschwester werden. Während meiner Zeit im Krankenhaus habe ich dann den Beruf der Orthopädiemechanikerin kennengelernt.“ Die Ausbildung im ersten Lehrjahr mache ihr sehr viel Spaß. Sie ist überzeugt, die richtige Wahl getroffen zu haben. Das Schöne an diesem Beruf sei für sie, Patienten, die nach einer schweren Verletzung nur eingeschränkt bewegungsfähig sind, mit orthopädietechnischen Hilfsmitteln wie künstlichen Gliedmaßen, Schienen und Bandagen effektiv zu helfen. „Ich finde es einfach wichtig, den Patienten etwas mitzugeben, das ihnen hilft. Zum Beispiel kann bei einer Lähmung eine maßgeschneiderte Orthese das Leben sehr erleichtern“, erzählt sie begeistert.


5 Fragen an Christin Forster

Welche Station im Krankenhaus ist während des P.A.R.T.Y.-Aktionstages für Sie am wichtigsten?
Ich bin immer wieder von der Intensivstation am nachhaltigsten beeindruckt. Denn es war für mich die „krasseste“ Zeit nach dem Unfall.

Wie reagieren die Jugendlichen, wenn Sie von Ihren eigenen Erfahrungen berichten?
Jeder reagiert anders darauf. Aber alle hören gespannt zu und stellen viele Fragen.

Was gefällt Ihnen an dem Beruf der Orthopädiemechanikerin am meisten?
Die Übergabe der Orthese; wenn die Patienten, in meinem Betrieb sind es meist Kinder und Jugendliche, die neue Orthese mitnehmen dürfen. Das Funkeln in den Augen der Kinder bestätigt meine Berufswahl.

Was machen sie gern in Ihrer Freizeit?

Ich spiele Gitarre und einmal in der Woche trainiere ich Rollstuhl-Basektball. Das Zusammenspiel im Team gefällt mir sehr. Leider lässt meine Ausbildung nicht mehr so viel Zeit dafür zu. Zudem bin ich beim Bayerischen Roten Kreuz in der Bereitschaft Burghausen aktiv.

Worauf freuen Sie sich in naher Zukunft?
... irgendwann ohne Hilfsmittel zu gehen und zu joggen.

Kontakt

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailMaria Hauk
Tel.: 030 – 340 603 604

Öffnet ein Fenster zum Versenden der E-MailBarbara Singh
Tel.: 030 – 340 603 611

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