11.12.2018

Empfehlungen der GOTS

Alpiner Skilauf mit Endoprothese? Aber sicher!

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Der nächste Winter steht vor der Tür und der Wunsch und das Interesse von Patienten nach sportlicher Aktivität mit einem künstlichen Hüft-, Knie- oder Schultergelenk richtet sich nun wieder verstärkt auf den alpinen Skilauf. Aber ist das überhaupt möglich und empfehlenswert? Aber sicher! Die GOTS – Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin hat konkrete Empfehlungen erarbeitet, nach denen alpiner Skilauf mit Endoprothese mit Einschränkungen erlaubt ist. Zum einen ist alpiner Skilauf nur für Wiedereinsteiger geeignet, die bereits über hinreichende skitechnische Erfahrungen verfügen. Zum anderen sollten Patienten nicht allein starten, sondern erst nach umfassender Aufklärung und Beratung durch erfahrene Experten unter Anleitung speziell ausgebildeter Skilehrer, die wichtige Merkmale einer gelenkschonenden Skitechnik vermitteln.

Wurde alpiner Skilauf mit Endoprothese von vielen Orthopäden in den 90er Jahren noch sehr skeptisch betrachtet und als mögliche sportliche Aktivität überwiegend abgelehnt, hat sich das Bild in den letzten Jahren grundlegend gewandelt. Heute gilt alpiner Skilauf als zumindest bedingt empfehlenswert, wenn einige Voraussetzungen erfüllt sind.

Früher galten die Gefahren eines vermehrten Prothesenabriebs ebenso wie die vermeintlich hohen Belastungen für den Bewegungsapparat beim alpinen Skilauf als wesentliche Gründe für eine Ablehnung. Heute werden für Prothesen neuartige Materialien verwendet, die den Abrieb erheblich reduzieren. Auch das Skimaterial hat sich seit den 90-er Jahren erheblich verändert: weg von langen, schwer zu drehenden Skiern und hin zu kurzen, wendigen Carving-Skiern, die mit viel weniger Kraftaufwand zu fahren und zu beherrschen sind. Zudem wurden in den letzten 2 Jahrzehnten aber auch sukzessive Skitechniken und die zugehörigen Lehrmethoden und -materialien entwickelt, die ein gelenkschonendes Skilaufen mit Arthrose oder nach Gelenkersatz ermöglichen. Alle drei Faktoren – Prothesenmaterial, Carving-Ski und Schontechnik - liefern heute die grundlegende Basis für alpinen Skilauf mit Endoprothese.

Daneben sind auch aus Sicht von Patienten mit Endoprothese einige – teilweise auch sehr individuelle - Voraussetzungen zu erfüllen, damit sie wieder alpinen Skilauf betreiben können. Zunächst sollten sie bereits über eine gute Skitechnik und ausreichende Erfahrung verfügen und keine übermäßige Angst haben. Eine Aufklärung und Beratung durch einen in der Sportart erfahrenen Experten ist erforderlich.
Frühestens 6-9 Monate nach der Operation sollte mit alpinem Skilauf begonnen werden, wenn eine medizinische Kontrolle zuvor optimalen Prothesensitz, hohe Gelenkstabilität und ausreichende Beweglichkeit bei normalen Entzündungswerten und ohne weitere Risikofaktoren ergeben hat. Auch die erforderliche Fitness und die muskulären Verhältnisse sind zuvor durch einen Experten zu checken. Regelmäßige medizinische Nachkontrollen sind unverzichtbar.

Damit alpiner Skilauf möglichst gelenkschonend durchgeführt werden kann, sind einige Technikmerkmale zu beachten und umzusetzen. Allgemein sind Schontechniken keine Renntechniken und erfordern einen Kompromiss zwischen einer sicheren Hangbewältigung auf der einen und einer Belastungsreduktion auf der anderen Seite getreu dem Motto: „So wenig Belastung wie möglich und nur so viel Belastung wie nötig“. Um eine schonende Skitechnik richtig zu erlernen, sollten unbedingt Kurse mit speziell ausgebildeten Skilehrern belegt werden. Eine alleinige Wiederaufnahme von alpinem Skilauf nach Gelenkersatz ist nicht empfehlenswert.

Grundlegende Technikmerkmale einer Schontechnik sind: ein beidbeiniges Skifahren mit führendem Außenski und belastetem Innenski; eine normal hüftbreite Skiführung, eine mittlere bis nahezu aufrechte Körperposition; eine nur moderate Hüftbeugung; ein nur moderater Hüftknick; eine Köperquerachse in neutraler Position; eine frontale Körperausrichtung, Arme in moderater Vorhalte; eine moderate Kniebeugung; eine leichte Antizipation des Oberkörpers, aber keine Verdrehungen; Schwünge nicht geschnitten (Carven) fahren, sondern ausrutschen, um extremem Kurvendruck zu vermeiden und um Belastung und Geschwindigkeit zu reduzieren.

Speziell bei Hüft-TEP sollte zusätzlich eine moderate Knie- und Sprunggelenkbeugung zur Dämpfung und eine nur moderate Außenrotation beachtet werden. Speziell bei Knie-TEP sollte zusätzlich eine nur moderate Kniebeugung, ein nur moderater Knie-Knick und eine nur moderate Knie-Rotation nicht überschritten werden. Und speziell bei Schulter-TEP sollten bei nur wenig Stockeinsatz die Arme nah am Körper geführt werden, ein sehr gutes Gleichgewicht ist hilfreich.

Neben der Technik ist bei alpinem Skilauf mit Endoprothese auch die Skiausrüstung von besonderer Bedeutung. Allgemein muss das gesamte System aus Ski, Skibindung und Skischuhen als Einheit Belastungen reduzieren können. Dabei sollten die Ski kurz und tailliert sein, einen kleinen Kurvenradius (10-14m) haben und damit auch leicht drehbar sein. Die Skibindung sollte leichter auslösend eingestellt sein, um die Prothesen zu schützen. Die Skischuhe sollte weich sein, viel Beugung („Flex“) sowie ein Gehen, Stehen (Geh- und Stehmechanismus) und Fahren in aufrechter Position ermöglichen. Bei Hüft- oder Schulterprothese sind zusätzlich Protektoren sehr empfehlenswert, um das Risiko bei Stürzen zu minimieren.

In der Skipraxis ist alpiner Skilauf als Outdoorsport mit einigen besonderen Gefahren verbunden, die sich zwar nicht gänzlich ausschließen lassen, aber gerade mit Endoprothese möglichst zu vermeiden sind. Dazu zählen Stürze oder Kollisionen mit anderen Skifahrern oder Snowboardern ebenso wie überfüllte, steile, eisige oder Buckelpisten, tiefer, weicher oder sulziger Schnee sowie schlechte Sicht bei Nebel oder Schneefall. Auch das eigene Empfinden sollte regelmäßig überprüft werden und Faktoren wie Selbstüberschätzung, Müdigkeit oder muskuläre Ermüdung sollten ebenso vermieden werden wie Gruppendruck. Hierzu ist es hilfreich, nur kurze Teilstücke zu fahren und ausreichend Pausen einzulegen. Belastungen lassen sich durch mehr Rutschen als Carven gut dosieren und reduzieren.

Alpiner Skilauf mit Endoprothese ist möglich! Aber (auf) Sicher (-heit achten)!

Quelle: Website der GOTS

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