17.10.2012

„Fit-after-eight“ in Osnabrück

Fit für den Facharzt in acht Modulen

© DGU

„Fit-after-eight“ ist eine seit 2008 bestehende berufsbegleitende Facharztvorbereitung mit innovativem Konzept. In einem der Doppelmodule, das vom 26. bis 29. September 2012 an der Klinik für Orthopädie, Unfall- und Handchirurgie in Osnabrück stattfand, stand die Behandlung von Gelenkerkrankungen, Weichteilschäden, Wunden und Gelenkverletzungen im Mittelpunkt.

Assistenzarzt Dr. Dirk Reedwisch vom Klinikum der Stadt Köln hat mit dem Besuch des viertägigen Programms schon sechs von acht Modulen hinter sich. „Die Fit-after-eight-Modulreihe ist eine sehr praxisnahe Art, an tägliche Fragen in der Orthopädie und Unfallchirurgie heranzutreten. Es kommen verschieden vorgebildete Kollegen zusammen und diskutieren mit ihrem Wissen auf offener Basis alle Möglichkeiten und Herangehensweisen der Fallbeispiele“, sagt der 33-Jährige, der kurz vor dem Abschluss seiner Facharztausbildung steht. „Wir werden hier ermutigt, Probleme zu erkennen, sie zu werten und zu lösen.“ 

Unter anderem diskutierten die rund 40 Teilnehmer mit dem Begründer dieses Weiterbildungsformats, Prof. Wolf Mutschler, Direktor der chirurgischen Klinik der Universität München-Innenstadt, über sämtliche Arten der Wundexploration und -versorgung. Zur Debatte stand dabei auch der reflektierte Umgang mit dem Antiseptikum Octenisept. Wichtig ist Mutschler, das Ziel der Behandlung jeweils genau zu definieren, um „eine dem individuellen Patienten adäquate diagnostische und therapeutische Lösung mit hoher Evidenz“ zu finden. Auf moderne Lehrmethoden setzt auch Prof. Peter Strohm, Leitender Oberarzt der Uniklinik Freiburg und einer der mitverantwortlichen Experten für die Weiterbildung: „Wir legen Wert auf eine nachhaltige Vermittlung von praxisrelevantem Wissen. Viele der Tutoren haben Zusatzqualifikationen für die Lehre, wie zum Beispiel den Master of Medical Education.“ 

Ein zentraler Bestandteil des Weiterbildungskonzepts ist die Analyse von Fallbeispielen in Kleingruppen von acht bis zehn Teilnehmern. Dabei geht es um reale Fälle, die in einigen Teilen modifiziert wurden. „Wir wollen weg vom Frontalunterricht und hin zu offenem, problemorientiertem Lernen“, erklärt Dr. Martin Engelhardt, Chefarzt am Klinikum Osnabrück. „In unserem Konzept sind Tutoren von Anfang bis Ende dabei, jeweils ein erfahrener und ein etwas jüngerer Tutor pro Gruppe.“ 

Einer der Tutoren ist Dr. Casper Grim. Das in Deutschland innovative Konzept ist für ihn nicht ganz neu, er hat problemorientiertes und integriertes Lernen schon in seinem Studium in Maastricht in den Niederlanden verinnerlicht. „Wir vermitteln praxisnah für den klinischen Alltag“, sagt Grim, der seit vier Jahren Oberarzt am Klinikum Osnabrück ist. „Es geht darum, kritisch mitzudenken und sich auf Facharztstandard zu fragen: Warum mache ich bestimmte Dinge überhaupt? Das Feedback auf unsere Module ist immer enorm gut.“

Interaktion, eine individuelle Betreuung und ständiges Feedback haben zum Ziel, die jungen Ärzte rundum zu schulen. Dazu gehört nicht nur die Vermittlung von Fakten, sondern auch von Konzepten, Prozeduren und ärztlichem Verhalten sowie der Einstieg in lebenslanges Lernen. Als Grundlage dient ein von Experten validierter Lernzielkatalog mit ausführlichem und einheitlich gestaltetem Lehrmaterial. Zwischen den Veranstaltungsmodulen werden die Teilnehmer darüber hinaus über E-Learning-Angebote betreut. 

„Mir macht es viel Spaß, so zu lernen“, sagt Berit Kröner. Die Studentin im dritten vorklinischen Semester bekam gemeinsam mit einer Kommilitonin die Chance, auf Einladung der Klinik schon sehr frühzeitig in die Weiterbildung hineinzuschnuppern. Auch für sie gehört problemorientiertes Lernen bereits zum Studienalltag: „Ich bin an der Uni Witten/Herdecke, wo ich im Modellstudiengang Medizin studiere. Wir lernen täglich problemorientiert und interdisziplinär.“

Für die meisten der jungen Ärzte ist dagegen ein eher hierarchisch organisierter Klinikalltag und Frontalunterricht in der Weiterbildung die Regel. Hier möchte „Fit-after-eight“ eine Lücke schließen. „Der Austausch ist größtenteils führungsfrei. Wir werden häufig nur gelenkt durch die Tutoren“, schildert Reedwisch. „Die Teilnehmer aus der konservativen, der orthopädischen oder der traumatologischen Chirurgie bringen unterschiedliche Herangehensweisen mit. Das muss nicht besser oder schlechter sein, sondern geschieht mit anderem Hintergrundwissen. Die offene Diskussion verschiedener Meinungen ist gern gesehen und auch gewollt.“

Gemeinsam getragen wird die Weiterbildung von den medizinischen Fachgesellschaften DGOU, DGU und DGOOC sowie dem Berufsverband BVOU. Bei einer der abendlichen Veranstaltungen in Osnabrück mit weiteren Programmpunkten war neben zahlreichen Chefärzten und Oberärzten auch Prof. Hartmut Siebert, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), in geselliger Runde dabei. „Wann hat ein junger Arzt schon einmal die Möglichkeit, so nah Kontakt zu Chefärzten zu bekommen?“, sagt Tutor Dr. Thomas Kuntz, der lange als Chirurg in der Charité – Universitätsmedizin Berlin tätig war und seit einigen Jahren als niedergelassener Orthopäde arbeitet. „Und natürlich entstehen Netzwerke, die für die Zukunft wichtig sein werden.“ 

Mehr Sicherheit in kniffligen Situationen zu gewinnen, ist für die berufliche Laufbahn von genereller Bedeutung. „Man ist im Laufe seiner medizinischen Karriere sicher einmal Verantwortlicher und muss Entscheidungen fällen“, sagt Reedwisch. „Das nimmt einem keiner ab. Darauf werden die Teilnehmer hier sehr gut vorbereitet.“

Die „Fit-after-eight“-Module finden viermal jährlich rotierend an unterschiedlichen Kliniken in Deutschland statt. Einsteigen kann man jederzeit – zum Beispiel in das nächste Doppel-Modul zu Polytrauma, Aufklärung, Haftpflicht, Begutachtung und Erkrankungen von Knochen und Weichgeweben, das Anfang 2013 im Universitätsklinikum Mannheim stattfindet.

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