18.06.2018

Lesetipp

Reform der Weiterbildung: Ist der Allgemeinchirurg unverzichtbar?

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Die Facharzt für Allgemeinchirurgie soll erhalten bleiben, das hat der Deutsche Ärztetag 2017 entschieden. Die chirurgischen Fachgesellschaften, darunter auch die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), hatten dies bereits im Vorfeld kritisiert und hinterfragt, wie sinnvoll eine Generalisierung in der Weiterbildung bei gleichzeitiger Spezialisierung in der Patientenversorgung sei. In der Mitgliederzeitschrift „Orthopädie und Unfallchirurgie – Mitteilungen und Nachrichten“ (OUMN) war Ende letzten Jahres hierzu ein Beitrag erschienen. In der aktuellen OUMN-Ausgabe wird das Thema noch einmal aufgegriffen und aus anderer Perspektive kommentiert.

In ihrem Beitrag zur Entscheidung des Deutschen Ärztetages waren Prof. Dr. Fritz-Uwe Niethard, ehemaliger DGOU-Generalsekretär, und Dr. Jürgen Malzahn vom AOK-Bundesverband zu dem Schluss gekommen, dass es Mindestmengen, Facharzt-Standard und die Ambulantisierung in der Medizin unmöglich erscheinen lassen, dass ein Allgemeinchirurg auf allen Gebieten der Chirurgie umfassend weitergebildet wird. Eine inhaltliche Verbesserung und Präzisierung der allgemeinchirurgischen Kompetenz werde so nicht erreicht. „Ein Chirurg, der einen Darmkrebs exzellent operiert, kann nicht genauso erfahren in der Operation eines Hüftgelenkes sein“, gaben die Autoren zu bedenken. Der Beitrag „Weiterbildung und Versorgungsstrukturen“ ist in der OUMN 6/2017 veröffentlicht.

In der nun erschienenen Replik „Chirurgie des Häufigen – nur im Begriff vergriffen?“ heißt es, dass die Entscheidung des Deutschen Ärztetages vielmehr darauf abgezielt habe, die Allgemeinchirurgie als dauerhaft flächendeckende „Chirurgie der Grundversorgung“ zu erhalten. Grundsätzlich stimmen die Autoren Prof. Dr. Michael Oberst, Vorsitzender der Generalisten der Chirurgie, und Dr. Jörg Schmidt mit ihren Vorrednern darin überein, dass der deutschlandweit zunehmenden Spezialisierung Rechnung getragen werden müsse. Allerdings dürfe dabei nicht die Versorgungsrealität aus dem Blick geraten – wie beispielsweise die fachübergreifenden Bereitschaftsdienste, in denen Patienten von Allgemeinchirurgen und Chirurgen aus O und U versorgt werden.

Hier sei eine breite fachliche Ausbildung der Mediziner zwingend notwendig, um Krankheitsbilder und Verletzungen am Bewegungsapparat gut diagnostizieren und zielgerichtet behandeln zu können. „Der Weg hin zu einer möglichen Spezialisierung in O und U kann unseres Erachtens nach nur über eine breite und fundierte Aus- und Weiterbildung erfolgen“, lautet das Fazit der Autoren. Daher sei der Facharzt für Allgemeinchirurgie auch in Zukunft unverzichtbar.

Doch helfen Diskussionen zur Definition der Allgemeinchirurgie hier weiter? Bleibt nicht im Kern doch die Frage danach, was die chirurgische Grundversorgung anderes umfassen sollte als das Beherrschen von besonders häufigen chirurgischen Erkrankungen und Verletzungen?

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