03.03.2020

Sportmedizin

Skifahren: Mit einer guten Vorbereitung Unfälle vermeiden

© grafikplusfoto / Adobe Stock

Je nach Wetterlage genießen noch bis April viele Freizeitsportler die Winterzeit und wedeln die weißen Pisten in Deutschland, Österreich und der Schweiz hinunter. Wer allerdings ohne Vorbereitung vom Bürostuhl auf die Skipiste wechselt, riskiert damit schwere Stürze und Verletzungen. Darauf macht die DGOU-Sektion Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) aufmerksam. Die Fachgesellschaft gibt Tipps für die optimale Vorbereitung auf das Skivergnügen.

Rund 20 Millionen Wintersportler sind allein im Alpenraum pro Saison unterwegs, dabei passieren über 163.000 registrierte Skiunfälle, teilte die GOTS in einer Pressemitteilung mit. Der Hauptgrund: Viele Skifahrer würden die Muskelaktivität bei diesem Sport unterschätzen und untrainiert in den Winterurlaub fahren. Aber es gibt laut GOTS noch andere Faktoren: Rund jeder zweite Skifahrer benutze Bindungen, die nicht optimal eingestellt seien oder sogar außerhalb der Toleranz lägen. Außerdem steige die Frequenz und Geschwindigkeit auf den Skipisten ständig an. Viele würde sich mit Schutzhelmen und Rückenprotektoren scheinbar unverletzlich fühlen.

Verletzungen des Kniegelenks am häufigsten

Wie die Fachgesellschaft weiter mitteilt, passieren die meisten Stürze wegen zu hoher Fahrgeschwindigkeit, unkontrollierter Fahrweise in Rücklage oder durch die Kollision zweier Skifahrer. Dazu kommen noch Drehstürze, die häufig aus einer extrem vorsichtigen Fahrweise mit sehr geringem Tempo entstehen. Hierbei löse die Bindung aufgrund fehlender äußerer Kräfte nicht aus.
„Grundsätzlich sind Verletzungen des Kniegelenkes am häufigsten, bei Frauen zwischen 40 und 50 Prozent, bei Männern bei ca. 30 Prozent. Dafür haben die Männer im Vergleich zu Frauen häufiger Schulterverletzungen aufgrund eines rasanteren Fahrstils mit stärkerer Kurvenlage und dadurch bedingt häufigeren Stürzen“, erklärt PD Dr. Peter Brucker, Leitender DSV-Mannschaftsarzt der Deutschen Ski-Nationalmannschaft alpin und Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie.

Muskulatur rechtzeitig trainieren

Die klassischen Knieverletzungen beim Ski alpin seien vordere Kreuzband- und Seitenbandrisse sowie Meniskusverletzungen, teilte die GOTS weiter mit. Eine Rekonvaleszenz könne hierbei sehr langwierig sein. Nicht selten komme es zu Stürzen der Skifahrer, weil der Bewegungsapparat nicht ausreichend trainiert und überbeansprucht sei. „Insbesondere die Rumpf- und Beinmuskulatur ist nicht genügend auf die spezifische Belastung des alpinen Skifahrens vorbereitet. Viele merken nicht rechtzeitig, dass sie mit ihren Kräften am Ende sind und dann ist sprichwörtlich gesehen die „letzte Abfahrt“ die letzte Fahrt für eine lange Zeit.“

Wichtig sei laut Brucker daher eine gute langfristige Vorbereitung, indem das ganze Jahr hindurch die Grundlagen- und Kraftausdauer trainiert wird.  Zudem sei unmittelbar vor dem Skitag ein Aufwärmprogramm sinnvoll, um nicht die kalte Muskulatur und die „eingerosteten“ Gelenke durch die äußeren Kräfte, die beim Skisport auftreten, zu gefährden. Schließlich helfe eine saubere Skitechnik, Unfälle zu vermeiden.

„Vor allem die vordere, aber auch die hintere Oberschenkelmuskulatur sollte trainiert werden“, sagt Brucker. Geeignet hierfür seien zum Beispiel Rad- oder Mountainbike fahren, Laufen, Treppen steigen oder auch Beinpresse bzw. andere funktionelle Bein-Trainingsformen, z.B. Nordic Hamstrings. „Der zweite Schwerpunkt liegt im Bereich des Rumpfes. Für einen stabilen Rumpf müssen vor allem die gerade Rücken- und Bauchmuskulatur, zusätzlich auch die seitliche und schräge Muskulatur am Rumpf gezielt trainiert werden“, ergänzt der GOTS-Mediziner.

Wenn dann noch zusätzlich die Skibindung jedes Jahr vor dem Skiurlaub auf ihre Funktion und Auslösewerte überprüft wird, dann habe der Ski-Freizeitsportler wesentliche Risikofaktoren für unnötige Skiverletzungen minimiert.

Pisten-Tipps für sicheres Skifahren

Die wichtigsten Tipps für ein unfallfreies Skifahren fasst die GOTS wie folgt zusammen:

  • Vorbereitung auf die Skisaison in den Sommer-/Herbstmonaten und zu Beginn des jeweiligen Skitages
  • Dem Leistungslevel angepasstes Fahrtempo und saubere Skitechnik
  • Ausreichend Pausen, damit die beim Skifahren stark beanspruchte Muskulatur sich wieder erholen kann
  • Genügende Flüssigkeitsaufnahme während des Skitages
  • Bei auftretender Ermüdung mit schweren und „brennenden“ Beinen (Oberschenkel) rechtzeitige Beendigung des Skitages
  • Kein Fahren unter Alkoholeinfluss
Autor:  Stefanie Schnarr
Quelle: Pressemitteilung der GOTS

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