01.11.2017

Nachwuchsförderung

Tag der Studierenden: Eintauchen in die Berufspraxis von O und U

Wie kann man den medizinischen Nachwuchs für das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie begeistern? Mit dem Tag der Studierenden, initiiert vom Jungen Forum O&U. In der letzten Woche fand dieser bereits zum neunten Mal auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie statt. 100 Medizinstudierende konnten einen Tag lang in die unterschiedlichen Themen und Facetten des Berufsfeldes eintauchen: In praktischen Übungen zur Osteosynthese haben sie gelernt, wie sich Knochenfrakturen am besten stabilisieren lassen. Außerdem waren sie bei einer Session dabei, in der die Familisierung und Effizienz am Arbeitsplatz kontrovers diskutiert wurde.

Mainz, Köln, Jena, Würzburg – aus ganz Deutschland sind die 100 Medizinstudierende am 25. Oktober zum Tag der Studierenden in Berlin angereist. So auch die 24-jährige Katharina Hemker aus Dresden. Sie studiert im elften Semester Medizin und beginnt im November ihr Praktisches Jahr. Katharina möchte einmal in die Fußstapfen ihres Vaters treten und selbst Orthopädin werden: „Das Fach O & U finde ich fachlich mit am interessantesten und bei meinem Vater sehe ich, dass der Beruf sich auch gut mit Familie vereinbaren lässt.“ Christine Pohl ist aus Jena angereist, um mehr über aktuelle Themen aus O und U zu erfahren und sich überregional mit anderen Studierenden auszutauschen.

Gute Zukunftsperspektiven für den Nachwuchs
Dr. Jan Philipp Schüttrumpf berichtet: „Für den Tag der Studierenden gab es insgesamt 282 Bewerber - 100 davon wurden als Stipendiaten ausgewählt und konnten zum DKOU 2017 nach Berlin kommen.“ Schüttrumpf ist Leiter der Sektion Nachwuchsförderung des Jungen Forums O & U und hat die Veranstaltung hauptverantwortlich organisiert. Er begrüßte die Studierenden gemeinsam mit den drei Kongresspräsidenten Prof. Dr. Ingo Marzi, Prof. Dr. Andrea Meurer und Prof. Dr. Alexander Beck früh morgens um acht.

„Mit dem demografischen Wandel in unserer Gesellschaft steigt der Bedarf an Fachärzten für O und U. In Zukunft kommt unserem Fach daher eine noch größere Rolle zu“, ermutigte Prof. Meurer zur Facharztausbildung. Prof. Marzi ergänzte: „Wir wünschen euch allen einen spannenden Tag und hoffen, euch mit den praktischen Übungen zur Osteosynthese und den wissenschaftlichen Sessions und Diskussionsrunden für unser Fach zu begeistern.“

Chirurgische Handwerkskunst: Bohren und Schrauben am Knochenmodell
Auf den Tischen im Seminarraum waren Akkubohrer, Schrauben und Längenmesser nebeneinander aufgereiht - man hätte einen Workshop für angehende Tischlermeister vermuten können. Doch in dem Praxiskurs der AOTauma Deutschland lernten die angehenden Orthopäden und Unfallchirurgen, wie ein Frakturspalt korrekt geschlossen wird. Gina Grimaldi, eine der zehn Tutorinnen vom Jungen Forum O&U, sagt: „Praktische Übungen dieser Art werden meist nicht an den Universitäten angeboten, da die Materialkosten sehr hoch sind. Hier haben die Studierenden aus den höheren Semestern erstmalig die Gelegenheit, selbst chirurgische Arbeitstechniken praktisch anzuwenden.“

In Zweiergruppen übten die Studierenden, an einem Knochenmodell einen Frakturspalt zusammenzuziehen. Wie bohrt man exakt ohne die Durchblutung stark zu schädigen? Schritt eins: Vorbohren mit Akkuschrauber und Bohrbüchse. Schritt zwei: Ein drei Millimeter Loch bohren. Schritt drei: Mit einem Längenmesser die Lochtiefe bestimmen und anschließend den Frakturspalt mit der passenden Schraube verschließen. Im Großen ist das nicht so viel anders wie das Bohren in Holz, Metall oder Stein – nur mehr Millimeterarbeit.

Nach dem Handwerklichen nahmen die Studierenden an einer wissenschaftlichen Session teil, gefolgt von einer Diskussion der Studienergebnisse mit internationalen Experten. Die Nachwuchsforscher konnten sich dabei einen Überblick darüber verschaffen, was eine wissenschaftlich fundierte Studie und einen guten Vortrag ausmacht.

Das Wohl der Beschäftigten – ein wichtiges Ziel für das Gesundheitssystem
Aus der Welt der Wissenschaft ging es dann in einen gesundheitspolitischen Diskurs zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Experten aus Medizin, Psychologie und Sozialwissenschaft diskutierten gemeinsam über das Thema „Familisierung und Effizienz am Arbeitsplatz“. Da der Fachkräftemangel in O und U und der demografische Wandel eine flächendeckende, gute Patientenversorgung gefährde, dürfe das Gesundheitssystem das Wohl, die Bedürfnisse und die Bedarfslage der Beschäftigten nicht aus den Augen verlieren, so der Tenor.

Zudem wirkten sich Strukturen der Ungleichheit nicht nur auf Frauen, sondern auch auf Männer aus. An einigen Kliniken gibt es daher das Modell „Top-Job-Sharing“: Zwei Personen teilen sich beispielsweise eine Chefarztstelle. Das ist nach festgelegten Regeln möglich, allerdings könnten unterschiedliche Führungsstile sich auch negativ auf das Team-Klima auswirken, lauteten Bedenken. Da Veränderungen letztlich von oben eingeleitet würden, fragte das Publikum: „Wie kann die Führungsetage erreicht werden?“ Die Antwort des Podiums: „Change needs time. Vor zehn Jahren  bestand das DKOU-Programm noch aus rein fachlich-wissenschaftlichen Sitzungen, Familisierung war kein Thema. Gut also, dass mittlerweile öffentlich darüber diskutiert wird.“

Tanzen über den Dächern von Berlin
Der Tag der Studierenden fand ihren Ausklang in der Rookie Night in der Puro Sky Lounge hoch über den Dächern Berlins. In lockerer Atmosphäre tauschten sich Studierende und Tutoren, Junge und Junggebliebene miteinander aus, feierten und tanzten ausgelassen auf den drei Dancefloors. Ein besonderes Highlight: der Blick von der Dachterrasse auf die beleuchtete nächtliche Skyline rund um die Gedächtniskirche.

Fotogalerie: Eindrücke vom Tag der Studierenden auf dem DKOU 2017

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