21.02.2019

Pressemitteilung der DGOU

Hände vor Unfällen schützen: An der Kreissäge besser ohne Handschuhe

© Kzenon / Fotolia

Die Hände sind beim Heimwerken besonders gefährdet. Doch nicht immer bieten Arbeitshandschuhe den besten Schutz. Während bei Bauarbeiten die Finger mit Handschuhen gut geschützt sind, können sich Heimwerker damit an der Bohrmaschine oder der Kreissäge schwer verletzen. Anlässlich des Tags der Hand am 1. März 2019 rät deshalb die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), an rotierenden elektrischen Werkzeugen auf Handschuhe zu verzichten. Denn erfasst ein Bohrer einen Handschuh, zieht er den Finger hinterher und kann ihn schwer verletzen oder abreißen.

Warum an der Bohrmaschine oder Kreissäge besser keine Handschuhe getragen werden, erklärt im Interview Dr. Thomas Brockamp, Präventionsexperte der DGOU. Er ist im ORTHOPAEDICUM in Coesfeld als Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie mit Schwerpunkt Handchirurgie tätig.

Herr Dr. Brockamp, warum sind Arbeitshandschuhe bei der Arbeit an Bohrmaschinen oder Kreissägen so gefährlich?
Handschuhe sind grundsätzlich ein wichtiges Mittel des Arbeitsschutzes. Gleichwohl ist die Anwendung bei der Nutzung von zum Beispiel Kreissägen und Bohrmaschinen kritisch. Bei rotierenden Maschinen kann ein Handschuh durch die Rotationskraft sehr schnell in den Gefahrenbereich hineingezogen werden. Dann kommt es häufig zu schweren Verletzungen mehrerer Finger oder zu einer Verletzung im Bereich der Mittelhand.

Was passiert, wenn ein Handschuh in ein Sägeblatt gezogen wird?
Wird ein Handschuh von einem Sägeblatt erfasst, kommt es häufig zu Verletzungen der Knochen und Weichteile einschließlich der Beuge- und Strecksehnen sowie der Gefäße und Nerven der Finger. Amputationsverletzungen mehrerer Finger sind ebenfalls leider keine Seltenheit, wenn es zu einem Unfall mit der Kreissäge gekommen ist. Schwerwiegend sind zudem Abrissverletzungen. Hierbei wird nur der Handschuh in das Sägeblatt hineingezogen, ohne dass der Finger selbst direkten Kontakt zum Sägeblatt hat. Der Finger wird dann durch den Zug des Handschuhs förmlich abgerissen.

Gibt es eine Faustregel, bei welchen Werkzeugen besser keine Handschuhe getragen werden?
Vorsicht sollte immer dann geboten sein, wenn man an Maschinen arbeitet, die eine für die Hand zugängliche Rotationsquelle besitzen, wie zum Beispiel die Kreissäge oder auch die Bohrmaschine. Bei Maschinen, bei denen der Arbeitsbereich nicht gut eingesehen werden kann oder aufgrund schneller rotierender oder sich wiederholender Arbeitsabläufe unübersichtlich ist, sollte das Tragen von Handschuhen kritisch geprüft werden.

Was kann ein Hobby-Handwerker tun, um Unfälle an der Hand zu vermeiden?
Häufige Probleme bei Heimwerkern sind die fehlende Unterweisung bei der Bedienung verschiedener Arbeitsmaschinen sowie eine unzureichende und vernachlässigte Schutzkleidung. Zudem werden manche Arbeitsgeräte nur sehr selten genutzt und entsprechen nicht immer aktuellen Sicherheitsstandards. Handschuhe machen immer dann Sinn, wenn Arbeiten durchgeführt werden, bei denen die Hand selbst als „Werkzeug“ benutzt werden muss, beispielsweise bei der Gartenarbeit oder bei Arbeiten mit Baumaterialien mit chemischen Substanzen. Zudem ist wichtig, dass Handschuhe die passende Größe haben und nicht zu weit und locker an der Hand getragen werden.

Was ist zu tun, wenn beim Heimwerken die Hand verletzt wird?
Wenn es beim Heimwerken zu einer Verletzung der Hand gekommen ist, sollte in Abhängigkeit der Verletzungsschwere der Rettungsdienst gerufen werden. Dann kann eine erste Versorgung durchgeführt und der Patient in einem nahegelegenen Krankenhaus weiterversorgt werden. Bei Verletzungen der Hand sollte in der Regel darauf geachtet werden, dass eine spezifische handchirurgische Versorgung im Krankenhaus möglich ist. Gegebenenfalls sollte daher, wenn möglich, eine handchirurgische Abteilung vom Rettungsdienst angefahren werden.

Hintergrund:
Die Hände sind ein Wunderwerk der Natur, sie sind für den Alltag unentbehrlich. Die menschliche Hand besteht aus 27 Einzelknochen – das ist ein Viertel aller Knochen des menschlichen Körpers. Zudem gibt es besonders viele Nerven und Sehnen, die auf engstem Raum perfekt aufeinander abgestimmt funktionieren. Daher sind Verletzungen der Hand für deren Funktionalität oftmals schnell kritisch. Die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) ist eine eigenständige Gesellschaft. Sie kümmert sich um die bestmögliche Therapie von Verletzungen und Erkrankungen der Hand. Zudem ist die DGH unter dem Dach der DGOU als eigenständige Sektion organisiert und bringt dort beratend ihre Expertise ein. Auf Initiative der DGH ist 2018 das HandTraumaRegister DGH zur Erfassung von Handverletzungen gestartet. Die strukturierte Aufzeichnung von Handverletzungen in Deutschland soll durch Sammlung von Verletzungs- und Versorgungsdaten zum klinischen Fortschritt sowie zur Qualitätssicherung beitragen.

Weitere Tipps zum sicheren Heimwerken:
Broschüre „Sicher Heimwerken. Handverletzungen vermeiden.“ der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie (DGH) in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU).

Fotos:
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Weitere Infos
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