PresseDKOU
Gemeinsame Pressemitteilung von DGOU und DGH

Fachgesellschaften verurteilen Missbrauch von Böllern

Silvesterböller auf der Straße
© SKatzenberger / Adobe Stock

Auf ein friedliches Miteinander in der Silvesternacht hoffen die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) und die Deutsche Gesellschaft für Handchirurgie (DGH). Die Mediziner verurteilen, dass der Silvester-Brauch zunehmend zweckentfremdet wird und Böller sowie Raketen auch als Kampfgerät gegen Rettungskräfte eingesetzt werden, zuletzt auch bei Demonstrationen. „Die Ereignisse aus dem letzten Jahr haben uns persönlich wehgetan und zugesetzt. Gerade in der Silvesternacht versorgen wir Böller-Verletzungen rund um die Uhr. Die Notaufnahme-Kapazitäten weiter unter Druck zu setzen, indem Helfende absichtlich verletzt werden, ist grauenhaft“, sagt Prof. Dr. Steffen Ruchholtz, stellvertretender DGOU-Präsident.

„Die Silvesternacht ist einer der schwierigsten Dienste des Jahres. Anders als in den anderen Notaufnahme-Nächten konzentriert sich an Silvester alles auf wenige Stunden, in denen sich die Notfälle ereignen“, sagt der stellvertretende DGOU-Generalsekretär Prof. Dr. Dietmar Pennig. „Neben den Böllerverletzungen erzeugt das Silvesterfeuerwerk inzwischen kriegsähnliche Assoziationen. Das finde ich bei der derzeitigen weltpolitischen Lage unerträglich“, sagt Pennig.

Häufigste Verletzungen durch selbst gebastelte Böller

An keinem anderen Tag im Jahr verletzen sich so viele Menschen die Hände wie an Silvester. Besonders unter Alkoholeinfluss missachten viele die Sicherheitsvorschriften beim Zünden von Böllern und Raketen; oftmals entstehen Verletzungen auch durch nicht-zertifizierte Billig-Feuerwerkskörper. „Die meisten großen Handverletzungen werden durch selbst gebastelte Böller verursacht. Am häufigsten sind Verletzungen eines oder mehrerer Finger sowie Hautverletzungen und tiefe Verbrennungen, die die berufliche Laufbahn der häufig jungen Patienten negativ beeinflussen und die lebenslang an diesen Tag erinnern werden“, sagt DGH-Präsident Prof. Dr. Martin Langer. Dazu kommen Folgen von alkoholbedingten Stürzen: Knochenbrüche oder Scherben in den Händen.

Am Morgen des 1. Januars gibt es dann noch eine zweite Welle an Notfällen, wenn beispielsweise Kinder und Jugendliche nicht abgebranntes Feuerwerk anzünden wollen und sich dabei verletzen. Einen besonders tragischen Fall aus dem letzten Jahr schildert PD Dr. Christopher Spering, DGOU-Präventionsexperte von der Universitätsmedizin Göttingen: „Ein selbst gebauter Böller mit  stark erhöhter Sprengkraft wurde zu spät weggeworfen und verletzte somit noch Tage nach Silvester die Hand eines jungen Teenagers außergewöhnlich schwer, sodass weitere zahlreiche mikrochirurgische Folgeoperationen notwendig waren.“

Junge Männer am häufigsten betroffen

Eine bundesweite Statistik über Böller-Verletzungen an Silvester gibt es nicht. Das Unfallkrankenhaus Berlin bilanzierte für den Jahreswechsel 2022/2023 insgesamt 65 „Bölleropfer“ darunter 10 Kinder unter 13 Jahren. DGOU und DGH gehen davon aus, dass das Unfallaufkommen in anderen Großstadt-Krankenhäusern ähnlich aussieht. Die meisten Verletzten sind junge Männer im Alter bis zu 25 Jahren. Die zweite Haupt-Risikogruppe sind 50- bis 60-jährige Männer.

Weitere Informationen:
1) Mediziner warnen: Keine Silvesterböller in Kinderhände, Pressemitteilung der DGOU 20.12.2022
2) Flyer: Silvester feiern – ohne Handverletzungen: Ratgeber für sicheres Böllern
 

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