Prof. Dr. Dieter C. Wirtz

Prof. Dr. Dieter C. Wirtz © T. Tanzyna / Intercongress

Prof. Dr. Dieter C. Wirtz (*1967) ist im Amtsjahr 2020 Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU) sowie der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) .

Der Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie ist seit 2006 Direktor der Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Universitätsklinikum Bonn sowie seit 2008 Geschäftsführender Direktor des Chirurgischen Zentrums der Universität Bonn. Zudem ist Wirtz seit 2016 Präsidiumsmitglied der DGOU-Sektion AE – Deutsche Gesellschaft für Endprothetik. Darüber hinaus vertritt er die DGOU als  Nationaldelegierter in der European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology (EFORT).

Grußwort

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
liebe Mitglieder der DGOU,


es ist mir eine außerordentliche Ehre, die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie im Jahr 2020 als Präsident zu vertreten. Ich bedanke mich für Ihr Vertrauen und Ihre Unterstützung, dieses Amt ausüben zu dürfen.

Was sind die Fragen und Aufgaben, mit denen wir uns 2020 und in den Folgejahren beschäftigen müssen? Aus meiner Sicht geht es dabei vornehmlich um vier Aspekte:

  1. Welche Strukturen in Klinik und Praxis brauchen wir künftig in O und U unter den gegebenen gesund-heits-politischen Rahmenbedingungen, um eine gute Versorgungsqualität für unsere Patienten zu gewährleisten?
  2. Wie machen wir unser Fach attraktiv für den Nachwuchs und wie können wir eine exzellente Weiter-bildung gewährleisten?
  3. Welche Strukturen braucht „O und U“ in der Forschung, um die noch vielen offenen Fragen translatio-nal beantworten zu können?
  4. Was kann und muss die Fachgesellschaft tun, um diese Aspekte umzusetzen?

Um die erste Frage zu beantworten, lassen Sie mich bitte kurz zusammenfassen, welche Rahmenbedingungen heute gegeben sind. Wir arbeiten – sowohl in Klinik und Praxis – in einem ökonomisch bestimmten Umfeld, welches durch ein „Immer-Mehr“ an Regulierung (Stichwort Arbeitszeitgesetz), strukturellem Investitionsstau (Stichwort Digitalisierung) und nicht mehr vorhandener Innovationskraft (Stichwort Medi-cal-Device-Regulation) gekennzeichnet ist. Dahingegen nimmt der berechtigte Patientenwunsch in einer alternden Gesellschaft nach mehr Lebens- und Versorgungsqualität deutlich zu. Personalisierte und indivi-dualisierte Behandlungsmethoden mit einem hohen Differenzierungs- und Spezialisierungsgrad sind der gesellschaftliche Anspruch.

Wir stehen in „Orthopädie und Unfallchirurgie“ im internationalen Vergleich gefühlt gut da; nahezu jeder von uns möchte sich lieber zu Hause als in einem anderen Gesundheitssystem versorgen lassen. Aller-dings darf man aber auch nicht verkennen, dass sich bei der Analyse von beispielsweise den aktuellen Daten des Deutschen Endoprothesenregisters (siehe Jahresbericht 2019 EPRD) zeigt, dass wir im Vergleich zu anderen Ländern bei bestimmten Prozeduren durchaus höhere Komplikations- und Revisionsraten haben. Dies liegt unter anderem daran, dass wir eine doch sehr wohnortnahe Versorgung von vielen operativen – insbesondere auch planbaren – Prozeduren in unserem Fach anbieten. Die flächendeckende Krankenhauslandschaft sichert uns eine gute Grundversorgung in der Breite, was gerade für die traumato-logische Notfallversorgung richtig und wichtig ist. Andererseits muss nicht jede planbare Operation – ob Endoprothese oder unfallchirurgische Versorgung – in jedem Krankenhaus und von jedem Operateur, der den Facharzttitel trägt, durchgeführt werden.

Unser Fach braucht daher aus meiner Sicht mehr Zentrumsbildung, mit klarer Definition, welche Krankheitsbilder bzw. Verletzungsmuster in welcher Klinik behandelt werden müssen. Letztendlich haben die Berufsgenossenschaften es vorgemacht, wo welcher Patient von wem bei berufsgenossenschaftlich versicherten Verletzungen zu behandeln ist. Dabei bin ich der festen Überzeugung, dass auch größere Klini-ken (Zentren für O und U) sinnvollerweise nicht mehr in Orthopädie und in Unfallchirurgie aufzuteilen sind, sondern vielmehr eine topographisch-anatomisch fokussierte innere Klinikstruktur brauchen (z. B. Sektion Schulter-/Ellbogenchirurgie, Sektion Wirbelsäulenchirurgie, Sektion Becken-/Hüftchirurgie etc.). Nur der, der immer an der Wirbelsäule oder an Becken und Hüfte operiert, wird eine exzellente Ergebnis-qualität erzielen können. Fallzahl, Erfahrung und Kenntnisse im Komplikationsmanagement zahlen sich für die Versorgungsqualität aus. Und dies gilt sowohl für die unfallbedingte Frakturversorgung als auch für den planbar orthopädisch-chirurgischen Eingriff.

Sicherlich sind solche Strukturen personal- und kostenintensiv, aber nur so können komplexe Eingriffe (u. a. Wechselendoprothetik, septische Chirurgie, Becken-/Wirbelsäulenfrakturen) auch gut in einem inter-disziplinären Setup behandelt werden. Um sich dies leisten zu können, braucht es im Mittelwert-orientierten DRG-System einen klar definierten Zentrumszuschlag. Auch die Kliniken, die eine 24/7-Notfallversorgung anbieten, können nur gut ausgebildete Teams und eine entsprechender Infrastruktur vorhalten, wenn sie dafür die entsprechenden finanziellen Mittel zur Verfügung gestellt bekommen.

Wir als Fachgesellschaft müssen hier im Dialog mit der Politik anhand eindeutiger Daten und Fakten darauf hinwirken, dass die in Deutschland bestehende breite flächendeckende Notfallversorgung weiter ausgebaut wird und nicht durch Schließung von Krankenhäusern zunichte gemacht wird. Andererseits müssen wir aber auch dafür werben, dass eine „in die Tiefe gehende“ spezialisierte Zentrumsbildung für komplexe Versorgungen etabliert und gesondert bezahlt wird. Um diese Ziele zu erreichen, brauchen wir belastbare Zahlen aus unseren Registern (u. a. Traumaregister, EPRD) und von einer bisher noch nicht ausreichend intensiv betriebenen fachbezogenen Versorgungsforschung.

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Klinische und wissenschaftliche Schwerpunkte

  • Gelenkerhaltende Korrekturoperationen an Becken, Hüft- und Kniegelenk
  • Primär- und Revisionsendoprothetik der großen Gelenke
  • Biologische Rekonstruktion knöcherner Defekte
  • Diagnostik und Therapie periprothetischer Infektionen
  • Interface- und Grenzflächenforschung bei Implantaten

Klinischer Werdegang

seit 2008
Geschäftsführender Direktor, Chirurgisches Zentrum, Universitätsklinikum Bonn

seit 2006
Klinikdirektor, Klinik und Poliklinik für Orthopädie und Unfallchirurgie, Universitätsklinikum Bonn

08/2005-10/2006
Stellvertretender Klinikdirektor, Orthopädische Universitätsklinik Aachen

09/2003-10/2006
Leitender Oberarzt, Orthopädische Universitätsklinik Aachen

07/1999-08/2003
Oberarzt, Orthopädische Universitätsklinik Aachen

12/1994-06/1999
Assistenzarzt, Orthopädische Universitätsklinik der RWTH Aachen

07/1994-12/1994
Assistenzarzt, Chirurgische Klinik des Klinikums Wiesbaden

01/1993-06/1994
Arzt im Praktikum, Klinik für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, Katharinenhospital Stuttgart

Akademischer Werdegang

seit 2006
W3-Professur, Lehrstuhl für Unfallchirurgie/Orthopädie, Universität Bonn

2006
apl-Professur, RWTH Aachen

2001
Habilitation, Medizinische Fakultät der RWTH Aachen

1993
Promotion, Medizinische Fakultät der RWTH Aachen

1992
Approbation

1986-1992
Medizinstudium an der Medizinischen Fakultät der RWTH Aachen

Fachqualifikationen

  • Weiterbildungsermächtigung für das Fach Orthopädie und Unfallchirurgie, Spezielle Orthopädische Chirurgie, Common Trunk, Allgemeinmedizin (1J)
  • Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie (27.04.06)
  • Gesundheitsökonom dipl. (30.08.2005 Deutschen Akademie für Betriebswirtschaftslehre der Heilberufe, Köln)
  • Rheumatologie (22.02.2005)
  • Spezielle Orthopädische Chirurgie (15.05.2003)
  • Physikalische Therapie (14.01.2003)
  • Facharzt für Orthopädie (10.12.1998)
  • Chirotherapie (09.12.1997)
  • Sportmedizin (14.01.1997)
  • Strahlenschutz (22.07.1994)

Ehrenämter, Mitgliedschaften und Auszeichnungen

Ehrenämter:

  • 2020: Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)
  • 2020: Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische chirurgie (DGOOC)
  • Mitglied des Executive Comitee (EC) des Endoprothesenregister Deutschland (EPRD)
  • Nationaldelegierter der DGOU in der EFORT (European Federation of National Associations of Orthopaedics and Traumatology)
  • Präsidiumsmitglied der AE (Arbeitsgemeinschaft Endoprothetik/ Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik)
  • Mitglied der Zertifizierungskommission EndoCert®
  • Kommissionsmitglied in der Gutachterkommission für ärztliche Behandlungsfehler der Ärztekammer Nordrhein
  • Mitglied des Sachverständigenbeirats „Versorgungsmedizin“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales
  • Herausgeber der Zeitschrift für Orthopädie und Unfallchirurgie (Z Orthop Unfall)
  • Mitherausgeber der Zeitschrift für Operative Orthopädie und Traumatologie (Oper Orthop Traumatol)
  • Mitherausgeber der Zeitschrift „Der Orthopäde“


Mitgliedschaften:

  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC)
  • Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU)
  • Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU)
  • Berufsverband der Orthopäden und Unfallchirurgen (BVOU)
  • Vereinigung Süddeutscher Orthopäden und Unfallchirurgen (VSOU)
  • Deutsche Gesellschaft für Endoprothetik (AE)
  • Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen (AOTrauma)

    Auszeichnungen:

    • Themistokles-Gluck-Preis 2007
    • Wilhelm-Roux-Preis 2005
    • ASG-Fellowship 2004 der DGOOC   
    • Posterpreis 2003 der Deutschen Gesellschaft für Nuklearmedizin
    • AE-Forschungspreis 2002
    • Themistokles-Gluck-Preis 2001
    • AE-Reise-Stipendium 2000 zum „Current Concepts in Total Joint Replacement 2000“, Orlando, USA
    • HIP-Preis 1999 beim Kongress „Chirurgie de la Hanche - Hip Surgery, Developments & Future prospects“,Toulouse, France
    • Wilhelm-Roux-Preis 1998
    • Posterpreis 1998 der Norddeutscher Orthopädenkongress 1998, Leipzig
    • SICOT Traveling Award 1998 zum 9th SICOT Trainees Meeting in Kopenhagen 1998
    • Posterpreis 1994 der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie 1994

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